Grow-Tipps

Vom Samenkorn bis zur Ernte — mit Werten statt Bauchgefühl.

Keine „einfach gießen und Licht anmachen“-Ratschläge. Hier sind die Zahlen zu Licht, EC/pH und Klima, mit denen ich selbst arbeite.

Die sieben Phasen

Jede Phase hat ihr eigenes Fenster.

Die Tage sind Richtwerte für photoperiodische Sorten in Innenkultur — je nach Genetik und Bedingungen kann es abweichen.

Tag 1–5

Keimung

Samen 12–24 h in Wasser vorquellen, dann in feuchtes Küchenpapier oder direkt ins Substrat, 2–3 cm tief. 24–26 °C, dunkel und konstant feucht halten — nicht nass.

Tag 5–14

Sämling

18–20 Stunden schwaches Licht (ca. 20–30 cm Lampenabstand), Substrat nur oberflächlich feucht halten. Erste Düngung erst ab dem dritten Blattpaar, stark verdünnt.

Woche 3–8

Vegetative Phase

18/6-Lichtzyklus, 22–28 °C, 55–65 % Luftfeuchte. EC 1,2–1,8 mS/cm, pH 5,8–6,5 (Coco) bzw. 6,0–6,8 (Erde). Jetzt wird geformt: Topping, LST oder einfach wachsen lassen.

Woche 1

Umstellung auf 12/12

Lichtzyklus auf 12 Stunden Licht / 12 Stunden absolute Dunkelheit umstellen — jede Lichtunterbrechung in der Dunkelphase kann die Blüte stören. Streckwachstum von bis zu 100 % einplanen.

Woche 3–9

Blütephase

EC auf 1,6–2,2 mS/cm anheben, Stickstoff reduzieren, Kalium/Phosphor erhöhen. Luftfeuchte schrittweise auf 40–50 % senken, um Schimmelrisiko in dichten Blüten zu vermeiden.

Erntetag

Ernte

Trichome unterm Vergrößerungsglas prüfen: milchig-trüb für ausgewogene Wirkung, leicht bernstein für mehr Körper. Letzte 24–48 h vor Ernte ohne Licht („Dark Period“) ist optional, aber üblich.

Tag 1–24

Trocknen & Curing

10–14 Tage bei 18–20 °C und 55–62 % Luftfeuchte langsam trocknen, dann in Gläsern 2–4 Wochen curen und täglich kurz „burpen“. Hier entscheidet sich Geruch und Geschmack — nicht beim Anbau.

Licht ist der Taktgeber

18/6, 12/12 — und warum die Uhr nicht lügen darf.

Vegi

18/6-Rhythmus

18 Stunden Licht halten die Pflanze im Wachstumsmodus. Manche fahren durchgehend 20/4 — der Mehrertrag gegenüber 18/6 ist meist gering, der Stromverbrauch nicht.

Blüte

12/12-Rhythmus

Der Wechsel auf 12 Stunden Dunkelheit ist das Signal zur Blüte. Ein Lichtleck in der Nachtphase — und sei es nur ein LED-Standby — kann die Pflanze zurück in den Vegi-Modus schicken oder Zwitter auslösen.

Abstand

Lampenabstand & PPFD

Zu nah verbrennt Blattspitzen, zu weit streckt die Pflanze unnötig. Faustregel für LED-Vollspektrum: Handrücken-Test — wird es dir zu warm, ist es der Pflanze auch zu warm.

Nährstoffe ohne Rätselraten

Weniger ist am Anfang mehr.

Die meisten Nährstoffprobleme, die ich in Nachrichten sehe, sind Overfeeding — nicht Mangel. Starte bei rund der Hälfte der Herstellerempfehlung und steigere langsam, während du EC und pH am Ablauf kontrollierst.

  • • EC am Zulauf UND Ablauf messen — die Differenz zeigt, ob die Pflanze überhaupt aufnimmt.
  • • pH-Drift über Nacht ist normal; wichtig ist der Wert direkt beim Gießen.
  • • Gelbe Unterblätter in später Blüte sind meist normaler Stickstoffabbau, kein Notfall.
29 Themen im Detail

Die komplette Anbau-Bibliothek.

Jedes Thema ist ein eigener, ausführlicher Artikel — für die Fragen, die über die sieben Phasen oben hinausgehen. Bei den Einsteiger-Guides kannst du unten auch mitdiskutieren.

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Häufige Fehler

Fragen, die mich jede Woche erreichen.

Warum hängen meine Blätter, obwohl ich gerade gegossen habe?

Meistens Overwatering, nicht Trockenheit. Substrat vor jedem Gießen per Gewichts- oder Fingertest prüfen und erst gießen, wenn die oberen 3–4 cm trocken sind.

Meine Pflanze bleibt in der Blüte klein — was lief schief?

Häufigste Ursache: zu wenig Licht (PPFD) oder ein gestörter 12/12-Rhythmus durch Lichtlecks. Prüfe zuerst die Dunkelphase auf Fremdlicht.

Wie erkenne ich den richtigen Erntezeitpunkt?

Nicht an der Kalenderwoche, sondern an den Trichomen unterm 60×-Vergrößerungsglas. Klare Trichome = zu früh, milchig-trüb = Hauptfenster, viel Bernstein = körperbetonter, aber weniger klar.

Curing — muss das wirklich sein?

Ja. Getrocknetes Gras ohne Curing riecht nach Heu und raucht scharf. 2–4 Wochen Curing in Gläsern mit täglichem Burping verändert Geruch und Rauchgefühl spürbar.

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